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Written by Vera Henkel   

Mitte November fängt in Deutschland definitiv die Winterzeit an. Nicht nur, daß überall in den Geschäften Lebkuchen, Spekulatius, Stollen und Dominosteine angeboten werden, daß man zusammenrückt und es sich bei Kerzenschein unter warmen Decken gemütlich macht – die Sonne verliert endgültig an Kraft, erscheint zwar gelegentlich an eisigen Wintertagen, aber wärmt nicht wirklich, grüßt nur kalt-freundlich von oben herab.

Nicht so an der Algarve, Europas südwestlichstem Wärmeparadies! Da ist zwar um diese Zeit auch der Winter eingekehrt, aber der ist wechselhaft wie anderswo der April. Mal gibt es Regentage, die jedoch so warm sind, daß man ohne weiteres dabei im Pool seines Ferienhauses an der Algarve schwimmen kann, mal makelloses Himmelblau mit Sonnengelb und Menschen, die in Shorts durch die Gassen flanieren. Natürlich auch gelegentlich kühlere Temperaturen, an denen es sich prima Klippenwandern läßt (ohne Schwitzen, Hyperventilieren und Sonnenbrand), ja, und Dreitagedauerregen, das will ich nicht verschweigen, gelegentlich auch.

Bleibt man eben daheim im gemütlichen privaten Ferienhaus. Ein offener Kamin oder eine Klimaanlageheizung oder zumindest Radiatoren in jedem Zimmer, sodaß man keinesfalls friert sind in allen Ferienhäusern in Portugal vorhanden. Die geringeren Wintertemperaturen sind im Süden ohnehin nicht das Problem, vielmehr die hohe Luftfeuchtigkeit, die sich einstellt, wenn zuviel Nässe auf Wärme trifft. Dann wird es draußen schwül und drinnen feuchtkalt.

Früher zog man sich dann sieben Schichten Kleidung übereinander an, Zwiebelprinzip – die älteren Portugiesen auf dem Lande schwören heute noch darauf und erklären unison, daß wer drinnen heizte und dann nach draußen ginge, sich unweigerlich eine Grippe zuzöge, - eine Auffassung, die allerdings einer anderen Zeit entstammt, in der sich das Leben viel mehr draußen abspielte, und ein ständiger Wechsel zwischen Innen-geheizt und draußen stürmisch-ungeheizt tatsächlich ein gesundheitliches Nachspiel haben konnte.

Ein wichtiger Feiertag im November ist der Sankt Martinstag, „Sao Martinho“, an dem Sie unbedingt Esskastanien über einem offenen Feuer rösten sollten. Schlachten Sie dazu noch ein Schwein und probieren Sie das erste Mal vom eigenen Wein, wie es eine alte Bauernregel empfiehlt – und Sie sind richtig angekommen.

Unterhaltsames aus der Algarve geschrieben von der Autorin Vera Henkel, welche seit vielen Jahren an der Algarve lebt.